Geschichte

Die Gemeinschaft Emmanuel in Österreich

Die Barmherzigkeit Gottes verbreiten

Emmanuel ist eine katholische Gemeinschaft mit päpstlicher Anerkennung, die heute in mehr als 60 Ländern der Welt tätig ist. Aktuell gehören der Gemeinschaft Emmanuel weltweit gut 10 000 Mitglieder aus allen Lebensständen an – vor allem Laien, aber auch ca. 250 Priester, 100 Seminaristen und 200 im Zölibat geweihte Schwestern und Brüder. In Österreich gehören 120 Personen zum engen Kreis der Gemeinschaft. Auf allen Kontinenten zählt Emmanuel über 200 000 Mitwirkende und Freunde im engeren Umfeld. Im Jahr 2009 wurde Emmanuel vom Heiligen Stuhl definitiv weltweit als öffentlich kirchliche Vereinigung anerkannt. Weil ihr die Welt so sehr ans Herz geht, will die Gemeinschaft Emmanuel in ihren vielen missionarischen Werken überall die Güte, Menschenfreundlichkeit und Barmherzigkeit Gottes verbreiten.

Emmanuel entstand 1972 im Herzen von Paris

Die Anfänge der Gemeinschaft können ganz unterschiedlich gesehen werden: Die einen erzählen gerne von aufregenden christlichen Initiativen im pulsierenden Paris der 70er-Jahre: von einer „Nacht-Bar“ mit Kapelle mitten im Rotlichtviertel Pigalle, vom ersten Begegnungszentrum für Aidskranke in der Millionenstadt, von einer Gebets-Hotline „SOS Prière“, bei der man rund um die Uhr für Menschen in Not da war oder von der Ausgabe von Mittagessen für Bedürftige und Obdachlose. Andere berichten von denselben Leuten, dass es vor allem spirituelle Erfahrungen waren, die sie so anziehend machten. Die Gebetsgruppen von Emmanuel in den Pariser Kirchen-Krypten schossen buchstäblich aus dem Boden. Die Erfahrungen erinnern an andere charismatische Aufbrüche, die zu dieser Zeit auch im protestantischen Amerika sichtbar wurden. Die ersten Mitglieder von Emmanuel machten eine Gebetserfahrung der „außergewöhnlichen Nähe Gottes“ – gleich den biblischen Berichten – wie eine neue „Ausgießung des Heiligen Geistes“, ein neues Pfingsten für die Kirche.

Paris

Der Filmkritiker Pierre Goursat als Gründer

Nähert man sich dem Gründer der Gemeinschaft, Pierre Goursat (1925 – 1991), dann wird deutlich, wie eng dieses offensive sozial- und weltorientierte Engagement mit den intensiven geistlichen Initiativen zusammenhängt. In ihm hat sich offensichtlich etwas einmalig Aktuelles für die Kirche geformt, das ganz den „Nerv“ der nachkonziliaren Zeit traf. Pierre Goursat, der selbst im Pariser Künstlermilieu groß wurde und als Jugendlicher sehr unter der Trennung seiner Eltern litt, arbeitete Jahrzehnte als Filmkritiker. Als solcher war er schon seit langem vom Wunsch beseelt, dass der christliche Glaube die immer weiter von der Kirche abdriftende Welt auf ganz neue Weise berühren würde.

Entscheidender Wendepunkt für den 60jährigen Pierre Goursat war eine unerwartet befreiende Begegnung mit der „Barmherzigkeit Gottes“. Eine äußerst schlichte innerliche Berührung mit der „Güte und Nähe Gottes“ beim gemeinsamen Gebet stand am Anfang. Als „armer Typ“ wusste er sich in diesem Moment von Gott zutiefst geliebt. Eine solche Erfahrung wünschte sich Goursat für alle Menschen, besonders für die Ärmsten in der Welt.

So wie Mutter Teresa sprach auch er oft vom tiefen „Hunger“ und „Durst nach Gott“ besonders in dieser agnostischen Welt. Die wahre Armut des saturierten Europas läge im Mangel am angenommen und geliebt Sein. Der ständig kritisierende und verurteilende Blick der gegenwärtigen Gesellschaft wirke wie zerstörerisches Gift für alle Beziehungen. Genau diese Welt brauche Christinnen und Christen, die zuerst die Freude über diese verzeihende Liebe Gottes ausstrahlen. Pierre Goursat hatte das Verlangen, mit einem veränderten, vorurteilsfreien Blick die Menschen von heute aufzusuchen und sie mit dem Evangelium neu zu berühren.

Mit den Mitgliedern von Emmanuel wandte sich Pierre Goursat all jenen zu, die auf irgendeine Weise zu leiden hatten oder die den Kontakt zum Glauben verloren hatten. Verschiedenste Missionsprojekte wurden gestartet. Neben einem gescheiterten Vorhaben für Drogenabhängige standen am Anfang verschiedene Initiativen für Jugendliche, für Obdachlose, Journalisten, Banker,

Medizin-Studenten, Arbeiter u.v.m.

Nicht vielen ist es gelungen, Pierre Goursat und damit die Gemeinschaft, die heute in der ganzen Welt tätig ist, kirchlich „einzuordnen“. Einerseits war der Gründer tief verwurzelt in der Katholischen Kirche, sowohl im sakramentalen Leben als auch in der engen kirchlichen Zusammenarbeit z.B. mit den Erzbischöfen von Paris wie mit Kardinal Suard, der schon maßgeblich beim Konzil mitwirkte. Andererseits wirkte er auf viele wie ein echter „Antikonservativer“, der unentwegt nach neuen Wegen suchte. Sein Wunsch war es, die immer tiefer werdenden Gräben zwischen Kirche und Welt zu überwinden. Er war in vielerlei Hinsicht ein Pionier. Das Neue in der Kirche könne nur mit dem Schwung eines freudigen Glaubens und wachsender Freundschaft zu den Menschen passieren – und das erfordere ständiges Umdenken und notwendige Anpassung, damit das wirklich Notwendige zeitgerecht umgesetzt werde.

Kurzfilm (französisch) zu Pierre Goursat