Hermann aus Innsbruck

Hermann aus Innsbruck

Bischof von Innsbruck

Das konkrete Miteinanderleben

Bildnachweis: Diözese Innsbruck/Aichner

1965 wurde ich in Übelbach, einige Kilometer nördlich von Graz geboren und bin auf dem Bauernhof meiner Eltern aufgewachsen. Eine Maturareise führte mich im Sommer 1983 nach Südfrankreich und u.a. nach Paray le Monial. Wir sind dort zufällig in ein internationales Jugendtreffen der Gemeinschaft Emmanuel hineingestolpert und ich war von der Atmosphäre schlichtweg begeistert. Besonders angesprochen haben mich junge Theologiestudenten der Gemeinschaft Emmanuel, die über ihre Bekehrung, ihre Freundschaft mit Jesus und über ihren Wunsch, Priester zu werden gesprochen haben. Mir ist klar geworden, dass es möglich sein wird, Priester zu sein in einer Gemeinschaft, die mitten in der Gesellschaft von heute lebt, betet und arbeitet, und nicht allein auf weiter Flur, vereinzelt in einem großen Pfarrhof. Diese Perspektive von einem priesterlichen Leben mit dem menschlichen und geistlichen Background einer Gemeinschaft ist kein leerer Traum geblieben, sondern hat sich mit den Jahren realisiert.

In Gemeinschaft leben bedeutet für mich, nicht ausschließlich „Pfarrer für die Gemeinde“ zu sein, sondern zuerst „ein Bruder unter Geschwistern“ und es bedeutet für mich, ein ordentliches Maß der immer zu knappen Zeit für das Zusammensein, für das gemeinsame Gebet und den geistlichen Erfahrungsaustausch zu investieren. Das konkrete Miteinanderleben, z. B. mit meinen Brüdern im Pfarrhof, ist eine schöne Herausforderung, wenn auch nicht immer leicht, so doch meist begleitet von viel Freude und Ermutigung.

Durch die Gemeinschaft Emmanuel kommt eine größere Zuversicht in mein alltägliches Leben als Pfarrer, weil ich immer vor Augen habe, wie sehr sich auch andere dafür einsetzen, dass Gottes Barmherzigkeit für die Menschen von heute erfahrbar wird. Es trägt mich eine gewisse Aufbruchsstimmung, weil ich in der Eucharistie jeden Tag die verwandelnde Kraft von Gottes Gegenwart erlebe. Bei den vielen Schwierigkeiten, Problemen und Sorgen, mit denen ich täglich konfrontiert werde, versiegt die Gewissheit nicht, dass „Jesus eine echte Hoffnung für jeden Menschen“ ist. Durch die missionarische Grundausrichtung von Emmanuel hat mein Priestersein überhaupt einen starken missionarischen Akzent bekommen. Ich möchte in der Vielfalt des Alltags meines Pfarrerseins zum Ausdruck bringen, dass Gott ein offenes Herz hat für den Menschen von heute, wie auch immer seine Lebensgeschichte ausschaut.

Die Gymnasialzeit und Studienzeit habe ich fast ausschließlich in Graz verbracht. 1991 wurde ich zum Priester für die Diözese Graz-Seckau geweiht. Zwei Jahre meines Theologie- und Kunstgeschichtestudiums war ich in Deutschland, wo sich mein Kontakt zur Gemeinschaft Emmanuel intensiviert hat.

Hermann

Anmerkung der Redaktion:
Hermann Glettler wurde am 27.9.2017 zum Bischof von Innsbruck ernannt und Samstag 2.12.2017 in Innsbruck geweiht. Wir danken sehr für Ihr Gebet für Hermann.
http://tirol.orf.at/news/stories/2868829/