Unsere Mission

Eine Gemeinschaft mitten in der Welt

Der bereits verstorbene Pariser Kardinal Lustiger betonte immer wieder, dass die „Emmanuels“ in seinen Augen zu den vordersten Fahnenträgern des II. Vatikanischen Konzils mit der großen Welt-Zugewandtheit gehören. Es sei dahingestellt, ob die Einschätzung des langjährigen kirchlichen Begleiters Lustiger stimmt. Tatsächlich aber wurde sehr schnell durch das unkonventionelle und offene Gemeinschaftsleben sichtbar, dass sich echte und lebendige Gemeinschaft mit Gott nicht nur in Klöstern und unter speziellen frommen Zirkeln abspielen muss, sondern mitten im Alltag des säkularen Lebens und unter „normalen“ Menschen.

Was klein und unter ärmlichen Bedingungen in den Pariser Gebetsgruppen mit einigen hundert jungen Leuten begann, breitete sich in den 80er- und 90er-Jahren sehr rasant in der ganzen Welt aus. Es verwundert, dass überall die eher unspektakulären Momente dieser Gebetsversammlungen faszinierten. Die Erfahrung des freudigen Lobpreises oder die herzliche Gastfreundschaft begeisterten viele Menschen. Zusätzlicher Motor waren die regelmäßig stattfindenden kleineren oder größeren Missionsaktionen, ob auf der Straße, bei den Armen oder Kranken. Schritt für Schritt formte sich daraus ein intensiveres Gemeinschaftsleben. Zur gegenseitigen Ermutigung trafen sich die „Emmanuels“ wöchentlich in kleinen Hauskreisen und einmal im Monat zu einem Wochenende mit Austausch und Gebet.

Gemeinschaft Emmanuel

Interessanterweise verdankten sie die Schubkraft ihres Wachstums in der ersten Zeit selten Klerikern, sondern den Frauen und Männern, die ganz gewöhnlichen Berufen nachgingen und in ihrer Freizeit verschiedene gemeinsame Missions-Projekte selbstständig entwickelten. Ausgangspunkt ihres Engagements war zuallererst der gewöhnliche Alltag, d.h. die normale Umgebung wie die eigene Familie, die Nachbarschaft, die Arbeitskollegen oder die Menschen in der Pfarre. Ihnen galt die erste Aufmerksamkeit, ihr Mitgefühl und ihre Solidarität.

Was aber weniger auffällt ist, dass ihre täglich längere, ganz persönliche Zeit des stillen Gebets (der Anbetung) das eigentliche Herzstück des ganzen Engagements darstellt. Dies leben die Mitglieder von Emmanuel nicht nur zur eigenen Herzens-Stärkung, sondern aus der Sorge und Fürbitte für die Welt, in der sie tätig sind. Überhaupt verstehen sie ihr Kirche-Sein fern von abgehobenen Hierarchien oder Eliten. Entscheidend ist das einfache und konkrete Miteinander von Brüdern und Schwestern als „Volk Gottes“, von dem das Konzil oft sprach. Bis heute ist im allgemein kirchlichen Umfeld geradezu revolutionär, dass die Gemeinschaften und Projekte zu einem großen Teil von Laien geleitet werden und dass Priester und Laien in ihren eigenen Berufungen sich gemeinsam in den Dienst stellen.

Gemeinschaft Emmanuel

Von Versöhnungsdiensten in Rwanda bis zu den Pfarrmissionen & Dialogevents in Österreich

Der Gemeinschaft wurden von kirchlicher Seite zahlreiche größere Missionen wie die europäischen Großstadtmissionen 2003 bis 2007 in Wien, Paris, Lissabon, Brüssel und Budapest anvertraut. Dahinter steckt wohl weniger ein spezifisches Missionsmodell oder Konzept. Einzig und allein der Ruf, „Zeugen der Barmherzigkeit Gottes“ zu sein, sollte reichen, dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt werden.

Die bunte und so unterschiedliche Vielfalt an Missionsinitiativen der Gemeinschaft in der modernen Welt ist kaum überschaubar. So baute Emmanuel beispielsweise im afrikanischen Rwanda nach dem grauenvollen Bürgerkrieg in den 90er-Jahren einen breit angelegten Versöhnungsdienst zwischen Tutsis und Hutus und ein Straßenkinderprojekt für Waisenkinder auf. Ganz wo anders, nämlich in Österreich und Deutschland, wurden Pfarrmissionen neuen Stils entwickelt, um Pfarrgemeinden zu helfen, wieder neu in den Dialog mit den Nicht-Kirchgängern und Suchenden eintreten zu können.

Im Ursprungsland Frankreich wieder ist die sehr groß gewordene Entwicklungshilfeorganisation FIDESCO mit jährlich Hunderten von Volontären in Asien, Afrika und Lateinamerika nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig haben die gute Zusammenarbeit mit den herkömmlichen Pfarrgemeinden und Diözesen und die vielen Priesterberufungen in Frankreich dazu geführt, dass mittlerweile über 20 z.T. sehr große Pfarrgebiete in Stadt und Land von „Emmanuel“ betreut werden.

In Österreich wirkte Emmanuel bisher erst in einer Pfarre in Graz St. Andrä, in Deutschland sind Emmanuel-Priester in fünf verschiedenen Pfarren tätig. Medial hat die in Österreich überschaubare Gemeinschaft öfters durch die Grazer Pfarre St. Andrä mit dem Künstler-Priester Hermann Glettler und die Wiener „Akademie für Dialog und Evangelisation“ auf sich aufmerksam gemacht. Im Grazer Multikulti-Bezirk Gries engagiert sich Pfr. Hermann Glettler, Mitglied von Emmanuel, für Immigranten und Obdachlose und bietet modernen Künstlern mit ihren Werken Gastfreundschaft in seiner Kirche an. Die Wiener Akademie organisierte nicht nur die groß angelegte Wiener Stadtmission 2003, sondern bietet seither Agnostikern und Atheisten eine Plattform des Dialog mit Gläubigen – ob in den legendären Innenstadtcafés, an der Uni, im Parlament oder in einem linken 68er – Kulturzentrum.

Geistliches Zentrum in Paray le Monial

Unmittelbar nach der Gründung von Emmanuel in Paris begann man 1975 internationale Einkehrtage in Paray le Monial zu organisieren. Dieser alte Wallfahrtsort, der im französischen Burgund seit dem 17. Jahrhundert besonders der Verehrung des Herzens Jesu gewidmet war, blühte durch die jährlichen Sommertreffen der Gemeinschaft Emmanuel wieder auf und zieht mehr und mehr Menschen aus aller Welt an. Heute ist Paray le Monial das geistliche Zentrum der Gemeinschaft. Durch das stete Wachstum der Gemeinschaft werden nun auch internationale Einkehrtage in dieser Art an anderen Teilen der Welt abgehalten – wie z. B. für den deutschsprachigen Raum im bayrischen Wallfahrtsort Altötting.

PARAY LE MONIAL

Der Gemeinschaftsname „Emmanuel“ und ihr Selbstverständnis

In der Bibel wird Jesus Christus auch der „Emmanuel“ genannt; d.h. „Gott mit uns!“ Dass Gott eben seine Nähe und sein offenes Herz ausnahmslos jedem Menschen zeigen will, will die Gemeinschaft erlebbar machen. Dass es immer Hoffnung für jeden gibt, erfahren die Mitglieder selbst aus drei wesentlichen „Gnaden“: 1. „Anbetung“ – um Gott persönlich nahe zu sein, 2. „Mitleiden“ – um sein Mitgefühl für die Nöte der Menschen zu bekommen und 3. „Evangelisation“ – um die Freude über Gottes Barmherzigkeit weiter zu erzählen.